Friderizianische Möbel in Berlin und Potsdam

Der Begriff „Friderizianische Möbel“ ist kein Stilbegriff im Sinne wie Louis XV. oder Louis XVI. Er bezieht sich vielmehr auf das Gesamtkunstwerk der Erscheinung der Architektur und Ausstattung der Schlösser in Berlin und Potsdam.

Aber auch an den Höfen in Anhalt, Bayreuth, Ansbach sowie in Schweden und beim preußischen Adel finden sich Möbel, die als „friderizianische Möbel“ bezeichnet werden können.

Übereinstimmendes Merkmal bei diesen höfischen Rokoko Möbeln ist, dass sie speziell auf die einzelnen Zimmer und deren Ausschmückung von Wand und Boden abgestimmt waren.

Diese Möbel waren raumgebunden, sie wurden meist von den Entwerfern des jeweiligen Raums konzipiert und von Handwerkern gefertigt. Dadurch ergibt sich für jeden einzelnen Raum eine Gesamtwirkung in Bezug auf Wand, Fenster und Boden.

Vom Stil her waren die Möbel damals vom vorherrschenden Geschmack der französischen Möbel des Rokoko inspiriert, erhielten aber ihre ganz eigene Note durch die ausführenden, norddeutschen Meister.

Friedrich II. orderte vergleichsweise sehr wenig Möbel direkt in Frankreich, der Hauptanteil der Einrichtung der Schlösser in Berlin und Potsdam wurde von heimischen Künstlern und Möbelschreinern gefertigt. Seine Vorliebe galt versilberten Möbeln.

Zu unterscheiden sind in diesem Zusammenhang Bildhauermöbel, Ebenistenmöbel und Tischlermöbel. Für die Fertigung der Möbel für die Schlösser in Berlin und Potsdam legte man Handwerker in Werkstätten zusammen, z.B. zu Zierratenbildhauern, Figuristen, Tischlern und vielen Anderen.

Man fertigte individuelle Möbel wie Kommoden, Kabinettschränke, Wandschirme, Münzschränke, Schreibtische, Beisetztische, Uhren, Spieltische, Gueridons und die damals sehr beliebten Eckschränke.

Auch Konsoltische mit den dazugehörigen Spiegeln wurden zahlreich hergestellt, die als optisches Gegengewicht zu den im Raum befindlichen Kaminen aufgestellt wurden.

Für den überaus musikalischen König Friedrich II. 1712-1786 (der „Alte Fritz“) wurden Flügel und in großer Anzahl reich verzierte Notenpulte gefertigt. Auf Kleiderschränke wurde verzichtet, da es für die Gewänder kleine Schrankzimmer gab.

Zur damaligen Zeit hatte die Kommode noch immer den Status eines eigenständigen Möbelstücks. Ihre Fronten waren oft konvex gestaltet und vielfach mit Intarsien aus Holz, Elfenbein, Perlmutt und gefärbten Horn verziert. Auch Schildpatt (nachempfunden den Schildpatt Intarsien von André Charles Boulle) kam zur Verwendung.

Die Ornamentik der Möbelstücke tendiert zum Naturalismus in Form von Rocaillen, Blumen, Zweigen und Tieren.

Als Konstruktionshölzer für Stühle und Konsoltische wurde meist Linde verwendet, bei Kommoden war es Eiche und bei Schreibtischen diente Kiefer und Eiche als Konstruktionsholz. Reich verziert wurden die Möbel mit Bronzeapplikationen, die teils feuervergoldet waren.

Künstler und Handwerker, die an der Ausstattung der Schlösser maßgeblich Anteil hatten

Johann August Nahl (1710 – 1781/85?) Bildhauer und Stuckateur

Gebrüder Hoppenhaupt Kabinettsbildhauer

Johann Melchior Kambly (1718-1783) Kunsttischler, Bronzegießer

Gebrüder Spindler Ebenisten u. Kunstschreiner

Literaturempfehlungen zu Friderizianische Möbel

  • Huth, Hans: "Friderizianische Möbel", Franz Schneeklutz Verlag Darmstadt, Band 32, Wohnkultur und Hausrat - Einst und Jetzt, 1958  Hsg.: Kreisel Heinrich
  • Nicht; Jutta: "Die Möbel im Neuen Palais", Potsdam-Sanssouci 1980, Hsg. Generaldirektion der Staatlichen Schlösser und Gärten
 

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