Wilhelm Kimbel (1786-1869)

Werdegang

Wilhelm Kimbel war gelernter Schreiner, der von seinem Vater, Sebastian Kimbel aus Kaub am Rhein, frankophil erzogen wurde. Schon früh entdeckte Wilhelm Kimbel sein Talent zum Zeichnen.

Innerhalb der Lehr- u. Wanderjahre schnitzt er 1809 in Wien Pfeifenköpfe und hat Kontakt zur Zeichenschule von Karl Schmidt. Als Napoleon in Wien einmarschiert, wird Wilhelm Kimbel zum Kriegsdienst gezwungen. So gelangt er nach Paris, wo er bei einem Schreiner arbeitet.

1815 kann er nach Mainz zurückkehren, wo er mit seinem Bruder Martin eine Schreinerwerkstatt eröffnet. Bereits 1818 erlangt er das Bürgerrecht in Mainz und den Meistertitel.

Werkstatt und Kundenkreis

Kimbel stellt die von ihm gefertigten Möbel auf der Frankfurter Messe aus und kann so auch Kontakte zu Mainzer Möbelhändlern und Tapezierern herstellen. Auf der Messe kann er seine Möbel an Händler und Fabrikanten aus dem Rheinland und Westfalen verkaufen.

Auch der Darmstädter Adel und die Familie Rothschild aus Frankfurt erwirbt Möbel von ihm. Den wohl lukrativsten Kontakt kann er zu dem Mainzer Möbelfabrikanten Bembé herstellen, der viele seiner Möbel erwirbt und ihn auch in der Zukunft stark unterstützt. Dies ist sicher damit zu erklären, dass Wilhelm Kimbel sich mit einer Tochter von Bembé vermählt. Aus dieser Verbindung gehen 11 Kinder hervor, davon sind 4 Kinder Söhne, die allesamt das Schreinerhandwerk erlernen.

Der technische Zeichner Kimbel

Wilhelm Kimbel verlegt sich vermehrt auf die zeichnerische Modellentwicklung. So gibt er ein Möbel Journal mit technischen Zeichnungen heraus und wird damit weithin bekannt. Dieses Journal findet eine allgemeine Verbreitung, es enthält maßstabsgerechte technische Konstruktions-Zeichnungen der historischen Stilformen, die 1 zu 1 zu verwenden sind.

Insgesamt gibt Kimbel bis 1835 zwölf dieser Vorlagenbücher heraus, die für die Arbeit von Lehrlingen und Gesellen des Schreinerhandwerks sehr hilfreich sind. Diese Vorlagenbücher sind bis Österreich und Dänemark verbreitet, sogar in Stockholm bedient man sich ihrer.

Verwendung finden die Kimbel Vorlagen auch bei der Neuausstattung von Schloss Anif/Salzburg.

Wilhelm Kimbel wird von 1841 bis 1857 Lehrer für technisches Zeichnen in der Handwerkerschule in Mainz. Diese Schule konnte auf freiwilliger Basis von den Lehrlingen und Gesellen nach ihrer Arbeit oder auch Sonntags besucht werden.

Möbelfertigung

Kimbel arbeitet in seiner Werkstatt ausschließlich ohne Maschinen, zugleich bemüht er sich um die technische Verbesserung der Werkzeuge. In seiner Werkstatt führt er eine Presse ein, die durch zwei Schraubgewinde den Druck beim Aufleimen der Furniere gleichmäßig verteilt, dadurch entfällt ein späteres Nachleimen des Furniers.

Als Innovation findet 1850 die in Paris erfundene eiserne Schraubzwinge Verwendung in seiner Werkstatt. Auch schleift er seine Möbel nicht mit Glasschleifpapier, sondern mit Bimsstein.

Großes Augenmerk legt er auf trockene Polituren, Nussbaum und Mahagoni polierte er mit Öl. Besonderes Geschick erlangte Kimbel mit der Bemalung von Möbeln mit Sepia, das dies wesentlich preiswerter war als die Verwendung von Intarsien.

Kimbel fertigte Möbel im Stil der Spätphase des Empire, teils mit vollplastischen Bildhauerarbeiten. Auch Biedermeier Möbel und Möbel im romantischen Historismus und dem Spätbarock entstanden in der Werkstatt, ab 1835 dringen dann langsam Rokokoformen im Möbelbau vor.

Aus bestehenden Vorlagen z.B. im „Journal von Desiré Guilmard“ kopierte man, wandelte aber auch den französischen Stil leicht ab. In der Werkstatt Kimbel finden sich an den Möbeln feine Intarsien mit Motiven von Blättern, Blüten, Vögeln, Schmetterlingen und Schlangen. Fein gearbeitete Arabesken sowie durchbrochene, kleinteilige Schnitzverzierungen sind an den Möbeln zu finden.

Das große Sortiment umfasste Schreibmöbel, Stühle (hier insbesondere die Gondole, ein englischer Stuhl), Tabourets, Lehnsessel, Kanapees, Tische (oft mit mechanischen Spielereien), Vitrinenschränke, Schrankregale und Buffets. Dazu wurden Bettstellen (stark französisch beeinflusst), Wiegen und Kinderbetten gefertigt. Unter diesen praktischen Möbeln finden sich bei Kimbel einzig keine hohen Dielenschränke.

An Einzelmöbeln, die die Werkstatt Kimbel herstellte, finden sich ein Betpult, ein Billardtisch, ein Gewehrschrank, ein Pfeifenhalter und eine Bibliothekstreppe.

Scheibtisch von Kimbel & Friedrichsen

Schreibtisch von Kimbel & Friedrichsen, um 1925.
Schreibtisch von Kimbel & Friedrichsen: Zierlicher Aufsatz mit Glastüren und Schalousietüren, sehr fein verarbeitet.
Schreibtisch von Kimbel & Friedrichsen, Schlossgravur: "Kimbel & Friedrichsen Hoftischlermeister Berlin W. 57"
Schreibtisch von Kimbel & Friedrichsen: Linke Seite mit einer Türe, die vier Scheinschubladen zeigen.
Schreibtisch von Kimbel & Friedrichsen: Rechte Seite mit vier Schubladen.
Schreibtisch von Kimbel & Friedrichsen: Rückseitig furniert und frei stellbar.

Demi Lune Kommode von Kimbel & Friedrichsen

Demi Lune Kommode von Kimbel & Friedrichsen um 1925 - Frontansicht.
Demi Lune Kommode von Kimbel & Friedrichsen: Linke Seite mit einer Tür, darunter einer Schublade.
Demi Lune Kommode von Kimbel & Friedrichsen: rechte Seite mit einer Tür, darunter einer Schublade.
Demi Lune Kommode von Kimbel & Friedrichsen: Furnierte Deckplatte.
Demi Lune Kommode von Kimbel & Friedrichsen - Schlossgravur "Kimbel & Friedrichsen Hoftischlermeister Berlin W. 57"
Demi Lune Kommode von Kimbel & Friedrichsen: Innenkonstruktion im Schubladenbereich mit Staubböden.

Literaturempfehlungen zu Kimbel, Wilhelm

  • Zinnkann, Heidrun: " Mainzer Möbelschreiner der ersten Hälfte des 19.Jh.", in Schriften des Historischen Museums Frankfurt/Main, Bd. 17, 1985, Verlag Dr. Waldemar Kramer
  • Zinnkann, Heidrun: " Meisterstücke Mainzer Möbel des 18. Jh.", Museum für Kunsthandwerk Ausstellung 1988, Frankfurt a.M., Druckerei Henrich

 

 

 

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