Tipps für Ihren Onlinekauf

Antiquitäten Ratgeber: Originale von Umbauten unterscheiden

Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Käufer unwissentlich Umbauten oder Nachbauten kaufen und davon ausgehen, originale Antiquitäten erworben zu haben. Auf dieser Informationsseite konzentrieren wir uns auf eine Unterscheidungshilfe von Um-/Nachbauten und Originalen im Falle eines Onlinekaufs, mit den von den Anbietern bereitgestellten Informationen. 

Im Internet gibt es zahlreiche Anbieter (Händler und Auktionshäuser), die Antikmöbel anbieten. Einige Anbieter handeln ausschließlich mit originalen Antiquitäten, andere bieten aber auch Umbauten und Nachbauten im Sortiment an. Oftmals werden diese dann leider ohne klar ersichtliche Trennung oder Kennzeichnung (Nachbau, Umbau, Original) im Onlineshop angeboten.

Besonders vor Umbauten ist Vorsicht geboten. Diese werden derzeit häufig auf dem Markt angeboten. Wenn Sie einen Blickfang für Ihr Zuhause suchen und Originalität dabei keine Rolle für Sie spielt, können Sie zwar ein beliebiges Stück kaufen, jedoch sollten Sie auch in diesem Fall in der Lage sein, den Um- oder Nachbau als solchen zu erkennen. Denn: Jeder der einen Um- oder Nachbau (oder im schlimmsten Fall eine Fälschung) kauft, sollte sich darüber im Klaren sein. Man erwirbt keine originale Antiquität und somit oftmals auch kein qualitativ hochwertiges und wertvolles Möbel.

Fließende Grenzen und Grauzonen erschweren die Unterscheidung zwischen Umbau, Nachbau, Fälschung und Original. Deswegen eine kurze Erläuterung der verwendeten Begriffe: 

  • Originale sind Gegenstände aus der entsprechenden Zeit, bei denen max. 30% der Substanz ergänzt wurden. Es werden keine Elemente ergänzt, die ursprünglich nicht vorhanden waren. Fehlende Elemente werden lediglich stilgerecht rekonstruiert.
  • Umbauten sind einfache Möbel, die nach einer Umarbeitung wie hochwertigere Möbelstücke wirken sollen. Die verwendeten Möbel sind i. d. R. ca. 70-150 Jahre alt. Dadurch wird die Voraussetzung geschaffen, dass das Endergebnis einen originalen, alten Eindruck macht. Eine Umarbeitung kann die Veränderung des Korpus bedeuten, z. B. in der Tiefe kürzen, Schweifungen begradigen. Aus breiten zweitürigen Schränken werden gerne auch mal dreitürige Schränke. In den meisten Fällen betrifft die Umarbeitung auch die Oberfläche, z. B. das Furnieren des Möbels mit Kirschbaum oder anderen Edelhölzern oder das Einlegen von Schlüsselschildern aus Ebenholz. Oft werden auch Zierelemente angebracht wie z. B. Säulen mit vergoldeten Kapitellen oder unmodische Schnitzarbeiten entfernt. Es handelt sich hierbei nicht um eine Restaurierung, da der Zustand des originalen (einfachen) Möbels wesentlich verändert wird. Meist werden die Möbel in einen Stil verändert, der gerade sehr beliebt ist, weil man davon ausgehen kann, dass sich das Möbel schnell verkaufen lässt.
  • Nachbauten (Repliken, Stilmöbel) sind Möbel, die unter Verwendung der jeweils aktuellen Materialien und Verarbeitungstechniken, in einem bestimmten Möbelstil gebaut wurden. Hierunter fällt die klassische Neuware aber auch Stilwiederholungen, die aufgrund des Alters selbst schon als Antiquität gelten können (z. B. 2. Biedermeier um 1900). 
  • Fälschungen werden in einer betrügerischen Absicht hergestellt. Im Gegensatz zu Nach- und Umbauten werden Fälschungen so gefertigt, dass nicht nur ein Laie, sondern auch ein Fachmann getäuscht werden soll. 

Mit folgenden Tipps können Sie Umbauten und Nachbauten im Internet erkennen.

Tipp Nr. 1: Die Beschreibung sehr genau lesen

Es gibt viele Formulierungen, die dem Kunden unter Umständen vortäuschen, dass es sich um eine originale Antiquität handelt. Oftmals lauert der Teufel im Detail, wie wir Ihnen hier anhand einiger Beispiele deutlich machen möchten:

Umschreibungen für (meist) nicht originale Stücke

... unter Erhalt der Patina restauriert, neu furniert und mit Schellack poliert. (Erklärung: "Unter Erhalt der Patina neu furniert" ist ein Widerspruch. Unter Erhalt der Patina zu restaurieren bedeutet, dass die Restaurierung wirklich schonend durchgeführt wird. Unter Umständen wird hier der alte Lack regeneriert. Beim neu Furnieren kann nicht von einer schonenden Restaurierung gesprochen werden. Hierbei werden vorhandene Farb- oder Lackschichten entfernt, der Untergrund plan geschliffen und anschließend mit einer neuen Schicht Furnier belegt. Bei einem solchen Eingriff, bleibt höchstens im Innenraum des Möbels die Patina erhalten.)

… im Zuge der Restaurierung neu furniert. (Erklärung: Bei einer normalen Restaurierung wird niemals das komplette Furnier ausgetauscht. Vermutlich handelt es sich um ein altes Fichtenmöbel/Bauernmöbel, welches niemals mit Furnier belegt war. Diese Art von Möbel hat nichts mit einer Antiquität zu tun.)

... Säulen und Zierelemente wurden im Zuge einer Restaurierung fachgerecht ergänzt. (Erklärung: Formulierungen dieser Art werden gerne verwendet und sagen noch nichts konkretes über das wirkliche Alter des Möbels aus. Je qualitätsvoller das Möbel erscheint, desto unwahrscheinlicher ist es, dass viele Teile fehlen. Qualitätsvolle Möbel wurden meist gut gepflegt. Wenn das Möbel ursprünglich mit Säulen und den Zierelementen ausgestattet war, spricht nichts dagegen, die fehlenden Teile stilgerecht zu ersetzen. Es sollten jedoch keine Elemente hinzugefügt werden, die ursprünglich nicht an diesem Möbel vorhanden waren. Lassen Sie sich Fotos von dem Zustand vor der Restaurierung zeigen.)

... im Stil des Biedermeier von 1820. (Erklärung: Das Möbel ist im Erscheinungsbild des Biedermeierstils gefertigt. Es handelt sich i.d.R. um Neuware, die nur den Anschein eines alten Möbels vortäuscht.)

… Biedermeier um 1880. (Erklärung: Biedermeiermöbel wurden in der Zeit um ca. 1810-1835 gefertigt. Das Biedermeiermöbel wurde um 1900 erneut populär. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um originale Biedermeiermöbel, sondern um die 2. Biedermeierzeit. Die Formensprache, Verarbeitung und Materialverwendung (dünnes Messerfurnier anstatt dickes Sägefurnier) waren deutlich minderwertiger. Diese gelten auch als Antiquität, werden aber deutlich preiswerter gehandelt. „Biedermeier um 1860“ oder „1880“ existiert in der Fachwelt nicht, da in dieser Zeit die Epoche des Historismus mit seinen Stilwiederholungen populär war. Bei Angaben "Biedermeier um 1860" oder "Biedermeier um 1880" sollte Vorsicht geboten sein. Evtl. handelt es sich um neu furnierte Möbel.)

… nach einem Entwurf aus der Zeit um 1820. (Erklärung: Es handelt sich um ein Stilmöbel, das im Stil einer Bestimmten Zeit, jedoch neu gefertigt wurde.)

… antiker Schrank... (Erklärung: Ohne Angabe einer Jahreszahl wie z.B. „Antiker Schrank von 1820“, hat das Wort „antik“ keine rechtliche Relevanz. Es kann sich genauso um Neuware handeln, da der Begriff "antik" nicht geschützt ist und kein Mindestalter voraussetzt.)

… Alter unbekannt ... (Erklärung: Diese Formulierung ist vor allem in Verkaufsportalen zu finden. Hier sollte höchste Vorsicht gelten. Eine Besichtigung ist zu empfehlen, bzw. es ist vom Kauf abzuraten. Wenn in einer Beschreibung das Alter keine Rolle spielt, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um ein altes Möbelstück.)

… Biedermeier, 19./20. Jahrhundert. (Erklärung: dies beinhaltet den Zeitraum von 1800 bis 1999. Es wird vermutlich eine Neuanfertigung mit u.a. alten Teilen sein.)

… Biedermeierstil (Erklärung: diese Angabe wird für Reproduktionen oft verwendet.)

… Antik Kommode Biedermeier (Erklärung: ohne Altersangabe kann die Kommode auch ganz neu sein.)

Die folgenden Formulierungen hingegen garantieren das Alter einer Antiquität und sind rechtlich bindend.

Korrekte Altersangaben für originale Antiquitäten

… von ca. 1820. 
(Entstehungszeitraum ist in der Zeit um 1820)

… um 1820. 
(Entstehungszeitraum ist in der Zeit um 1820)

… aus der Zeit um 1820.
(Entstehungszeitraum ist in der Zeit um 1820)

… 18. Jahrhundert. 
(Entstehungszeitraum ist zwischen 1700 bis 1799.)

… 18. Jh. 
(Jahrhundert kann auch abgekürzt geschrieben werden.)

… Ende 18. Jh. 
(Entstehungszeitraum ist kurz vor 1800.)

… 2. Hälfte 18. Jahrhundert. 
(Entstehungszeitraum ist zwischen 1750 bis 1799.)

 

Tipp Nr. 2: Von Fotos und Preisen nicht blenden lassen

Mögen die Fotos noch so schön und der Preis sehr attraktiv sein, lassen Sie sich davon nicht täuschen. Eine qualitätsvolle Antiquität wird von Händlern nicht „verschenkt“. Qualität hat Ihren Preis. Ist das Möbel sehr günstig, kann die Qualität unter Umständen nicht gut sein oder es wurde evtl. bei der Restaurierung gespart. 

Tipp Nr. 3: Persönlicher Kontakt

Grundsätzlich empfiehlt sich (falls möglich) bei einem Ihnen unbekannten Händler immer auch ein Besuch vor Ort, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Alternativ ist auch ein Anruf oder ein Kontakt per E-Mail zu empfehlen. Stellen Sie konkrete Fragen bezüglich Alter, Originalität und den vorgenommenen Restaurierungsmaßnahmen. Hier haben wir für Sie ein paar Beispielfragen:

  • Ist das Möbel original aus der Zeit um XY?
  • Sind großflächige Ergänzungen an den Holzteilen vorgenommen worden?
  • Sind die Schlösser und Beschläge original?
  • Wurde das Möbel verändert?

Sollten Sie bezüglich eines Punktes skeptisch sein, zögern Sie nicht, auch diesen anzusprechen. Die Reaktion auf Ihre Fragen verschafft Ihnen einen ersten Eindruck und ggf. eine gesunde Basis für einen Onlinekauf.

Tipp Nr. 4: Fotos von vor der Restaurierung erfragen

Eine weitere absichernde Methode ist es, vor dem Kauf nach Fotos von dem Zustand vor der Restaurierung zu fragen. Dies sollten Sie auf jeden Fall machen, wenn Sie bei dem angebotenen Stück skeptisch sind. Anhand dieser können Sie sehen, ob wirklich alle Teile original zugehörig sind. 

Tipp Nr. 5: Altersangabe auf der Rechnung

Ein Zertifikat ist nicht nötig. Es reicht, wenn Sie eine Rechnung erhalten, auf der das Alter korrekt angegeben ist. Sollten Sie ein Zertifikat erhalten, achten Sie bitte darauf, dass auch dort die Altersangabe korrekt, d. h. mit klarer Formulierung, angegeben ist. Ein Zertifikat ohne Altersangabe ist praktisch wertlos. 

Ein letzter Tipp für Kenner

Besondere Vorsicht ist bei Stücken gegeben, die zu der angegebenen Zeit sehr selten sind. Ein Beispiel sind 3-türige Schränke aus der Biedermeierzeit zwischen 1810-1835. Hier gilt es, genau hinzuschauen. Genauso auch kleine Kommoden. Oftmals werden Kommoden mit einer Tiefe von 40 cm gesucht. Auch diese gab es jedoch nur ganz selten und auch hier gilt: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

Fazit: Die Summe macht es

Diese Tipps sollten Ihnen nicht als Checkliste, sondern eher als Beratung/Begleitung bei einem Onlinekauf dienen. So kann es sich z. B. auch um ein Original handeln, wenn der Händler Ihnen keine Vorzustandsfotos zeigen kann. Genauso kann es sich um einen Umbau handeln, wenn eine rechtlich bindende Altersangabe angegeben ist. Nutzen Sie die Tipps, wenn Sie skeptisch sind und fragen Sie lieber einmal zu viel nach. Wir hoffen, Sie fühlen sich nun für einen Onlinekauf gut vorbereitet. 

 

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Herzlichen Dank, Ihr Furthof-Antikmöbel Team.