Philipp Ferdinand Ludwig Bartscher (1749-1823)

Ein Möbelschreiner aus Rietberg

Philipp Ferdinand Ludwig Bartscher (1749-1823) war zwischen 1792 und 1806 in der Möbelherstellung in Rietberg tätig und erreichte bald regionale Berühmtheit.

Seine Ausbildung erhielt er in Wien, daher zeigen einige seiner gefertigten Möbel den "josefinischen Stil".

Er stellt Kommoden, Stühle, Tische und Schreibsekretäre her und handelt mit kostbaren Spiegeln und Bettstellen. Außerdem entwirft und schafft er ganze Raumdekorationen, führt Malereien auf Wänden aus, ist in der Kirchenausmalung tätig.

In seinem Schaffensdrang fertigt er zudem Theaterkulissen und restauriert Gemälde und katalogisiert ganze Gemäldesammlungen. Malereien fertigte er für Wiedenbrück, die Abtei Corvey, in Osnabrück und Münster.

Kundenkreis

Seine Möbel fanden den Weg an den fürstlichen Hof zu Detmold, dem Fürstenhof zu Lippe und nach Lopshorn.

Sein Kundenkreis waren westfälische Landes- u. Kirchenfürsten, der heimische Adel, Kirchenvorstände sowie das örtliche gehobene Bürgertum.

Bartscher hatte einen guten Kontakt zur Adelslinie Kaunitz aus Mähren, die die Grafschaft Rietberg als Erbe erhalten hatten. Die adlige Familie Kaunitz wiederum hatte beste Kontakte zu Wien. Aloys von Kaunitz-Rietberg (1774-1848) war der letzte Graf von Rietberg und österreichischer Diplomat. 

Bartscher nutze überregionale Inserate, war mit seinen Möbeln auf Ausstellungen und gab Kataloge seiner Produkte heraus.

Werkstatt und Möbelfertigung

Bartscher profitierte davon, dass es in dem kleinen Ort Rietberg nicht besonders viele Handwerker gab und daher kein Zunftzwang bestand. Seine Möbel sind nicht signiert, daher kann eine Zuschreibung nur von Experten durchgeführt werden.

Erfolg hatte Bartscher dadurch, dass er sich dem in seiner Zeit aktuellen, modischem Stil des Klassizismus bediente.

In seiner Werkstatt fanden Nussbaum und Mahagoni als Furniere Verwendung. Als Blindholz wurde Eiche und Nadelholz verwendet.

Die Möbel von Bartscher zeigen sehr schöne Marketerien mit Gravuren. Dargestellt sind überwiegend nur auf den Schauseiten der Möbel Ruinenlandschaften (die der Italien-Sehnsucht entsprachen), sowie Vasen, Blumen, Blattmotive und Fruchtzweige. Für die Marketerien wurden aus Kostengründen überwiegend heimische Hölzer verwendet.

Die Importhölzer „Bois des Indes“ waren im 18. Jh. sehr selten und extrem teuer. So sind Nussbaum, Kirschbaum, Mooreiche, Olivesche und Pflaumenbaum bei den Einlegearbeiten zu finden. Ebenso fand Rosskastanienmaser, Ahorn, Pappel, Birnbaum, Pfaffenhütchen und Hainbuche Verwendung.

Für besonders hochwertige Möbel für den Adel benutzt die Werkstatt vereinzelt auch importierte Hölzer wie Rosenholz, Schlangenholz, Mahagoni, Palisander, Ebenholz, Padouk, Veilchenholz und kaukasischen Nussbaum.

Kennzeichnend für Möbel aus der Werkstatt Bartscher sind insbesondere Kanneluren, die geschwärzt und graviert meist oberhalb von Schubladen auftreten. Auch die fein gearbeiteten Eckrosetten und Schmuckrosetten sind ein typisches Markenzeichen der Werkstatt.

An Dekoren finden sich Fileteinlagen, Girlanden, Vasen, Blumen, Kanneluren und geschnitzte, vergoldete Guttae. Werkstattspezifisch sind Kanneluren mit eingestellten Hohlkörpern, aus denen gravierte Zweige wachsen.

Als Beschläge wird geprägtes Messingblech für Zuggriffe verwendet. An Schlössern finden sich Einlassschlösser und Stangenschlösser aus Eisen.

Die von der Werkstatt Bartscher gefertigten Möbel orientierten sich an internationalen Maßstäben, sie sind allerdings in ihrer Ausführung wesentlich einfacher gehalten. So wird z.B. bei den Zylinderbüros mehr Wert auf das äußere Erscheinungsbild mit dem Marketerie Dekor gelegt, als auf das Innenleben (dem Eingericht), das sehr einfach gehalten wird.

Bei Bartscher Möbel lassen sich kaum zwei wirklich identische Stücke finden, insbesondere bei den Dekoren der Marketerie ähneln sich zwar die Motive, sind aber durch kleine Zufügungen nie einem anderen Stück völlig gleich.

Durch ein Feuer wird 1813 die Werkstatt zerstört.

Im Antiquitätenhandel wird oft für die Möbel aus der Werkstatt Bartscher auch die Bezeichnung „Iburger Möbel“ verwendet. „Iburger Möbel“ waren aber nur Kommoden und Schreibmöbel, Bartscher dagegen fertigte auch andere Möbeltypen an.

 

Literaturempfehlung zu Bartscher, Philipp Ferdinand Ludwig

Hsg.: Landschaftsverband Westfalen-Lippe Baumeier, Stefan; Mitarbeit Nitschke, Ralf: „Feine Möbel aus Westfalen - Die Manufaktur des Rietberger Hofmalers Philipp Ferdinand Ludwig Bartscher (1749-1823)", Edition Braus.

 

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