Anton Bembé (1799-1861)

Die französische Schreibweise des Familiennamens Bembé wurde erst seit der französischen Besatzung (1793-1815) von Mainz so gehandhabt. Davor finden sich die Schreibweisen „Bembe“ und „Bempe“.

Werdegang

Bereits die Vorväter der Familie Bembé waren als Tapezierer in Mainz ansässig. Der Vater von Anton Bembé, Martin Bembé stellt auf der Ostermesse in Frankfurt erfolgreich als Tapezierer aus.

Nach seinen Lehr,- und Wanderjahren in Paris gründet Anton Philipp Bembé 1825 in Mainz sein eigenes Geschäft als Tapezierer, wo er Stühle polstert und Mainzer Bürger wird.

Die 3 Familienbetriebe Bembé

In Mainz bestehen 3 Möbelhandlungen, die alle von Familienmitgliedern geführt werden. So führt die Witwe von Martin Bembé das Geschäft bis 1830. Erst dann übernimmt der Sohn, Anton Bembé von seiner Mutter die Möbelhandlung. Das dritte Geschäft wird von Antons Schwester geführt, die mit Wilhelm Kimbel verheiratet war. Dieser familiäre Zusammenhalt wirkt sich auf die geschäftlichen Beziehungen positiv aus.

Werkstatt, Möbelfertigung

Anton Bembé fertigt ein sehr umfangreiches Angebot an Möbel, das er in einem Firmenkatalog offeriert. Dieser enthält Möbel für 8 verschiedene Typen von Zimmern.

In der Werkstatt Bembé werden auch sogenannte "Englische Stühle" gefertigt. Diese zeichnen sich durch eine konkave Rückenlehne aus, was den Sitzkomfort sehr zuträglich ist. Für Stühle aus dem Mainzer Raum ist die doppelt liegende Lyra in deren Rückenlehnen typisch.

Um 1830 bis ca. 1835 werden in der Werkstatt Bembé, wie auch bei dessen Schwager Wilhelm Kimbel Konsolentische mit frei plastischen Dekor (Füllhorn, Schwan, Adler und Delfin) gefertigt.

Die Hölzer Nussbaum, Kirschbaum und Ahorn finden am meisten Verwendung. Wie viele andere Schreiner bietet auch Bembé seine Möbel in 2 Preiskategorien an. Die in der Werkstatt hergestellten Möbel orientieren sich an Vorbildern der französischen Restauration (Regierungszeit von Louis XVIII. und Charles X.).

Um 1840 arbeitet die Werkstatt Bembé mit Möbeltypen, die an die italienische und deutsche Renaissance angelehnt sind. Ebenso fertigt man Möbel mit klassizistischen und auch barocken Formen. Gegen 1850 werden vermehrt Möbel nach französischem Vorbild gefertigt. Im Paris dieser Zeit herrscht der bestimmende Modegeschmack des Louis XV. und Louis XVI. Stils.

Bembé benutzt ab 1843 eine Dampfmaschine in der Werkstatt, mit der er Drehbänke, Furnierschneidemaschinen und eine Holzschneidemaschine antreibt. Auch dient die Dampfmaschine zur Erleuchtung der Arbeitsräume, was abends eine längere Arbeitszeit erlaubt.

Bembé verarbeitet Mahagoni, Palisander, Amarant, Nussbaum, Buche, Pappel, Zitrone, Ahorn und Eiche, von denen er auf seinen Holzlagerplätzen einen großen Lagervorrat besitzt.

Bezeichnend für Möbel aus der Werkstatt Bembé sind die qualitätsvollen Holzbildhauerarbeiten an Kanapees und Stühlen.

Möbel von Anton Bembé

Diese Kommode (bereits verkauft) ist Anton Bembé zugeschrieben.

Kundenkreis

Erste Aufträge erhält Anton Bembé vom Adel ab 1829, dafür reist er sehr viel, insbesondere nach Paris. Zum einen, um Kunden zu gewinnen, zum anderen, um Stoffe zu kaufen. Das führt dazu, dass er persönlich nicht mehr allzu oft in der Werkstatt sein konnte.

Bembés Kundenkreis wird stetig größer, so dass er Großaufträge der Adelshäuser nicht mehr alleine in seiner Fabrik ausführen kann. So vergibt er Arbeiten auch an Mainzer Schreinerkollegen.

Die Möbel und Polsterwaren wurden nach Holland, Frankreich, England, Schweden, Rumänien und in die Schweiz geliefert.

Folgende Adelshäuser waren Kunden von Bembé:

Die Fürstin von Sondershausen, der Graf Fürstenberg, der Fürst von Hohenlohe, die Fürsten zu Solms-Hohensolms-Lich, sowie der Fürst von Sachsen-Coburg. Der Herzog von Nassau vergibt an Bembé den Auftrag für die Umgestaltung des Wiesbadener Schlosses, dies bringt Bembé den Titel „Hoflieferant“ ein. Auch die Adelshäuser von Hessen-Darmstadt, Weimar, Württemberg und Preußen verehren ihm den Titel „Hoflieferant“.

Nach politischen und wirtschaftlichen Unruhen wandelt sich um die Mitte des Jahrhunderts der Kundenkreis, vermehrt beliefert Bembé nun die bürgerliche Oberschicht aus Frankfurt, Mainz, Wiesbaden und Worms.

Gründung einer Fabrik für Raumausstattungen

1836 ist sein Kundenkreis bereits so groß, dass er den elterlichen Betrieb aufgibt und eine Fabrik für Raumausstattungen mit einem Ladengeschäft und einem Möbelmagazin gründet.

Angegliedert ist eine eigene Schreinerei, Schlosserei, Bildhauerwerkstatt und Polsterwerkstatt. Es gibt einen Vergolderraum, einen Zeichenraum, eine Nähstube und ein Spiegeldepot. Hergestellt werden Möbel, Tapezierarbeiten (Polsterei), Inneneinrichtungen und Dekorationen, die im Ladengeschäft verkauft werden.

Geschäftsausweitung nach Übersee

Bembé weitet sein Geschäft 1854 noch nach Übersee aus, in New York gründet er zusammen mit Anton Kimbel, seinem Neffen ein Möbelgeschäft. Dies wird von Anton Kimbel geführt.

Ende der Werkstatt Anton Bembé

Nach seinem Tod führen seine Witwe Therese Koch und die beiden Söhne aus der 2. Ehe, Christian Ferdinand und August Bembé das Geschäft bis 1880 weiter.

Ihnen gelingt es, auf der Weltausstellung 1862 in London eine Goldmedaille zu erringen. 1867 stellen sie ebenfalls auf der Weltausstellung in Paris aus.

Nach dem Tod von August Bembé führt der ehemalige Teilhaber, Wilhelm Preetorius bis 1919 das Geschäft unter dem Namen Bembé erfolgreich weiter.

Literaturempfehlungen zu Anton Bembè

  • Zinnkann, Heidrun: "Mainzer Möbelschreiner der ersten Hälfte des 19.Jh., in Schriften des Historischen Museums Frankfurt/Main", Bd. 17, 1985, Verlag Dr. Waldemar Kramer
  • Zinnkann, Heidrun: "Meisterstücke Mainzer Möbel des 18. Jh.", Museum für Kunsthandwerk Ausstellung 1988, Frankfurt a.M., Druckerei Henrich

 

 

 

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