Chinoiserie

Chinoiserie wird von dem französischen Wort chinois abgeleitet, was übersetzt chinesisch bedeutet. Kunstgegenstände im chinesischen Stil werden als Chinoiserie bezeichnet. Es kann sich hierbei um importierte Waren aus Asien handeln oder auch um Gegenstände, die in Europa hergestellt und mit chinesischen Darstellungen bemalt wurden.

Eine, vom Jesuitenpater Alessandro Valignano aus Japan gesendete Delegation, brachte 1584 die ersten Lackwaren nach Europa. Dabei handelte es sich um Geschenke für König Philipp II und dem Papst.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden erste Lackmöbel importiert, die in Asien speziell für den Export gefertigt wurden. Beliebt waren Kabinettkästen mit vielen Schubladen und zwei Türen, sowie auch Truhen. Frühe Möbelstücke sind gut an dem Schwarzlack mit vielen Perlmuttintarsien zu erkennen. Bei diesem Schwarzlack handelt es sich um Urushi, auch Chinalack genannt. Im Vergleich zu europäischen Lacken ist der Urushi-Lack äußerst robust und zeigt nur wenige Alterserscheinungen. Zudem konnten europäische Lacke im Glanzgrad und der Tiefenwirkung mit diesem Lack nicht konkurrieren.

Die VOC (Vereenigde Oost-Indische Compagnie) ermöglichte ab 1610 durch ein aufgebautes Handelsnetz den Import von Porzellan, Gewürzen, Seiden und Lackobjekten aus Asien. Die Dekoration an den Möbeln änderte sich. Die Möbel waren weiterhin mit Urushi lackiert, auf Perlmuttintarsien wurde jedoch verzichtet. Stattdessen verzierte man die schwarzen Flächen mit bildhaften Darstellungen mit Hilfe von Streutechniken und Goldlackmalerei. Die zwei bekanntesten Methoden sind die Hira-Maki-e Technik, bei der ein flaches Streubild erzeugt wird und die Takamaki-e Technik, bei der die Darstellung reliefartig aus der Fläche tritt.

Folgende Probleme zwangen die Europäer zum Umdenken:

  • Die große Nachfrage ließ die Preise deutlich steigen
  • Lange Trocknungszeit der Urushi-Lackschichten
  • Sehr langfristige Kapitalbindungen
  • Wenig Flexibilität bei der Ausführung von verschiedenen Möbeltypen
  • Hohes Risiko und Zeitaufwand durch den langen Seeweg

Erfolglos wurde versucht, das Rohmaterial des Urushi-Lacks zu importieren, denn die langen Transportwege, sowie auch die klimatischen Bedingungen in Europa, ließen es nicht zu diesen Lack hier zu verarbeiten. Auch ein Kultivieren des Baumes, aus dem das Rohmaterial für den Urushi-Lack gewonnen wird, schlug aufgrund der ökologischen Faktoren fehl.

Zwischen 1650 und ca. 1720 wurden asiatische Lacktafeln von z.B. Paravents aufgespalten oder aufgesägt und auf europäischen Möbeln als Furnier verwendet. Die dargestellten Szenen auf den Lacktafeln riss man dadurch meist aus ihrem Zusammenhang, was jedoch erst bei genauerer Betrachtung erkennbar wird. Als bekannte Beispiele für applizierte Lacktafeln auf europäischen Möbeln gelten die Kommode von Antoine-Robert Gaudreaus, Paris um 1730, Standort Residenz München und die Lackkommode von Bernhard II Vanrisamburgh, Paris um 1730.

Ab ca. 1720 bis ca. 1750 fand eine Europäisierung statt. Das bedeutet, die Lackarbeiten wurden mit europäischen Mitteln umgesetzt, wobei die importierten Waren als Vorbilder dienten. Die Dekorationen setzte man jedoch nach europäischem Geschmack um. Hierbei spielte die Fantasie, wie man sich den Fernen Osten damals vorstellte, eine große Rolle. So entstanden Darstellungen von Szenen, die in Asien als undenkbar gelten. Europäische Ornamente, wie Laub- und Bandelwerk, flossen ebenfalls in die Darstellung mit ein.

Über die Bedeutung des Begriffs Chinoiserie sind Kunsthistoriker nicht einer Meinung. Teilweise werden nur in Europa gefertigte Objekte ab dem 18. Jahrhundert als Chinoiserie bezeichnet.

Kleines Tischchen mit Urushilack, Streutechnik mit Goldlackmalerei, 19. Jahrhundert.
Tischplatte mit Urushilack, Streutechnik mit Goldlackmalerei, 19. Jahrhundert.
Kleines Tischchen mit Urushilack, Streutechnik mit Goldlackmalerei, 19. Jahrhundert.
 

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