Hoffmann, Friedrich Gottlob (1741-1806)

Friedrich Gottlob Hoffmann (1741 auf dem Rittergut Puschwitz bei Belgern/Sachsen – 1806 Leipzig)

Werdegang und Herkunft

Hoffmann arbeitet 1758 beim Leipziger Tischlermeister Ludwig, 1770 erhält er dann die Ernennung zum Meister und damit verbunden wird er Bürger der Stadt Leipzig.

Werkstatt und Fertigung

Friedrich Gottlob Hoffmann wird neben der Roentgenmanufaktur in Neuwied als einer der wichtigsten Möbelhersteller seiner Zeit betrachtet. Von Hoffmann gefertigte Möbel lassen sich von der Ausführung und ihrer Qualität ohne weiteres mit Möbeln aus der Manufaktur Roentgen vergleichen. Allerdings konnte man Hoffmann Möbel zu einem weit moderateren Preis als die Roentgen Möbel erwerben. Die von ihm gefertigten Möbel zeichnen sich durch eine schlichte Eleganz und ihre Wandelbarkeit aus. Die Entwürfe seiner Möbel orientieren sich an englischen Möbelbauern wie Georg Hepplewhite (gestorben 1786) und Thomas Sheraton (1751-1806), auch französische Vorbilder finden sich bei seinen Möbeln wieder.

Werbung durch Kataloge

Hoffmann ist nicht nur Handwerker, sondern auch ein erfolgreicher Unternehmer. So bietet er die Möbel aus seiner Werkstatt in unterschiedlichen Preiskategorien für Hofkreise und Bürgertum an. Seinen Bekanntheitsgrad steigert er maßgeblich durch die Herausgabe von Warenkatalogen, was zu der damaligen Zeit im deutschsprachigen Raum absolut neu war.

Zur Herausgabe des 1. Warenkatalogs 1789, der Kupferstich Abbildungen und Möbelbeschreibungen von 32 Objekten enthielt, besorgte sich Hoffmann bei seinem Landesherrn Kurfürst Friedrich August III. ein Darlehen. Dieser 1. Katalog erscheint rechtzeitig zur „Jubilate- Messe“ (an Ostern) in Leipzig. Darin stellt er einen Verwandlungstisch vor, der auf die Konstruktion eines Architektentisches, einer englischen Erfindung in der Mitte des 18. Jh., zurückgeht.

Diesen Tisch preist er an als „ Ein dreyfacher, viereckiger Tisch zum Speisen, Zeichnen, Schreiben und zur Musik“. Dieser ist höhenverstellbar, mit aufklappbaren Notenpulten ausgestattet und versehen mit aufsteckbaren Leuchtern an den Ecken. Zusätzlich lässt sich eine zweite Schreib-/Zeichenfläche aus der Tischplatte lösen und mittels eines Stellmechanismus nach oben ziehen. Gefertigt ist dieser Tisch aus massivem Nussbaum. Ein Modell eines solchen Verwandlungstisches hat sich in den Sammlungen der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz erhalten. Erworben hatte man diesen Tisch zusammen mit Polsterstühlen 1798 zur Ausstattung des Floratempels in Schloss Wörlitz.

1795 erscheint dann noch ein zweiter Warenkatalog, in dem Hoffmann bereits eine sofortige Lieferung der beschriebenen Möbel anbietet. In diesem 2. Katalog, der zur „Michalis Messe“ (Oktober) in Leipzig erscheint, werden bereits 36 Möbel angeboten. Darin bietet Hoffmann einen 3-teiligen Sekretär an, der sehr aufwendig gestaltet ist. Als Türeinsätze werden lackierte Tafeln aus Eisenblech verwendet. Im Giebeldreieck finden sich Wedgewood Medaillons.

Als absolut ausgefallenes Möbel findet sich in diesem Katalog ein Schreibtisch in Opferaltarform. Eine für damalige Zeiten originelle Gestaltung eines Schreibtisches, die ohne Vergleichsstück ist. Erst um 1810 kommt für solche fantastischen Schreibmöbel eine Bezeichnung auf: „Lyra-Sekretär“.

Im Katalogsangebot befindet sich „ein Spieltisch, klappbar mit dreyfachen Veränderungen", der bereits zum leichten Transport eingeschraubte Füße besitzt.

Geschäftsverbindungen

Als Unternehmer geht er 1780 eine geschäftliche Verbindung mit dem Kunsthändler Carl Christian Heinrich Rost (1742 Dresden – 1798 Leipzig) ein, der sein Förderer und Mentor wird.

Der Kunsthändler Rost betreibt einen gut gehenden Handel und hat weltweite Verbindungen, von denen Hoffmann ebenfalls profitiert. Der Kunsthandel Rost hat Beziehungen zu Wedgewood & Bentley, bietet Gipsabdrücke antiker Skulpturen an sowie technische Erfindungen und Musikinstrumente, immer nah am Zeitgeist.

Zwischen 1795 und 1800 erreicht die Werkstatt Hoffmann ihren Höhepunkt und liefert bis nach Konstantinopel. 1796 wird ihm der Titel „Chursächsicher Hoftischler“ verliehen, dadurch kann sich Hoffmann vom Zunftzwang befreien.

Möbelanfertigungen/Kundenkreis

Durch die Geschäftsbeziehung zwischen Rost und Hoffmann bieten sich auch gute Vermarktungsmöglichkeiten für die Möbel. Durch den Kontakt von Heinrich Rost zu Wedgewood & Bentley ist Hoffmann in der Lage, an seinen Möbeln Medaillons dieser Firma anzubringen.

Die Möbel von Hoffmann sind nicht signiert, somit kann eine Zuschreibung nur von Experten erfolgen.

1786/89 fertigt Hoffmann für die Ausstattung von Crossen an der Elster/Thüringen Möbel im früh klassizistischen Louis Seize Stil. Mit der Inneneinrichtung war der Kunsthändler Rost beauftragt.

Durch die Folgen der Französischen Revolution (1789), die die Prachtentfaltung der absolutistischen Herrscher beendet, herrscht nun eine Mode der Sparsamkeit und schlichten Eleganz.

Dem passt sich der Möbelhersteller Hoffmann an und bietet „erschwingliche, deutsche Möbel“ für das gehobene Bürgertum an. Aber auch an Adelshäuser kann er noch liefern. So z. B. an den sächsischen Kurfürst Friedrich August III. in Dresden und Fürst Leopold III. Friedrich Franz in Wörlitz.

Möbelverkäufe gehen bis Lübeck, Berlin, Breslau, auch nach Russland, Polen und Kurland sowie über Wien bis nach Konstantinopel.

Umgehung des Zunftzwanges – der Geschäftsmann Hoffmann

1786 eröffnet Hoffmann eine Tischlerwerkstatt in Eilenburg (unweit von Leipzig). Das dafür notwendige Gebäude lässt er allerdings von einem ehemaligen Gesellen kaufen. So kann er der Aufsicht der Leipziger Innung entgehen.

1790 beschäftigt Hoffmann in beiden Werkstätten die enorme Zahl von 22 Gesellen, bereits 1792 beschäftigt er über 30 Personen.

Fertigung in Eilenburg:

In der Dependance werden vor allem Kleinteile wie Schatullen, Schreibzeuge, Schmuckkästchen und kleine Büros gefertigt. Diese gelangen bis nach Russland, Polen, Kurland, Berlin und Breslau.

Die in Eilenburg gefertigten Erzeugnisse werden als „fremde Tischlerwaren“ behandelt und dürfen somit nicht in Leipzig verkauft werden. Hoffmann führt deshalb Streitigkeiten mit dem Stadtgericht in Leipzig, die keine Einigung erzielen. Daher wendet Hoffmann sich an seinen Kurfürsten mit der Eingabe um Handelsfreiheit. Nach eineinviertel Jahren erhält er die Erlaubnis, die Eilenburger Waren jeweils 14 Tage vor und nach den Leipziger Messen einführen zu dürfen.

Nachdem Hoffmann den Titel „Hoftischler“ verliehen bekam, hatte er damit gleichzeitig die uneingeschränkte Erlaubnis zur Handelsfreiheit und freien Transport. Auch konnten die Gesellen und Arbeiter zwischen Eilenberg und Leipzig somit ungehindert pendeln.

Kundenkreis

Zu den Kunden von Hoffmann zählte u.a. Leopold III. Friedrich Franz Fürst v. Anhalt-Dessau und Herzog Ernst II. v. Sachsen Gotha-Altenburg.

Werkstatt und Möbelfertigung:

Zur Zeit Hoffmanns waren in Leipzig anfangs der Rokokostil, dann der Louis Seize Stil, später dann der klassizistische Stil gefragt.

Typisch für von Hoffmann gefertigte Möbel ist bis ca. 1790 die Verwendung eines Zahnschnittfrieses.

Als Dekor verwendet er z. B. an Stühlen gedrücktes Messingblech, das er aus Birmingham einführt.

Die Beschläge sind aus gegossener Bronze, teils vergoldet, auch aus Gelbguss.

An den Türen eines Sekretär finden sich „feine lakierte englische Platten“( Lackmalerei auf Eisenblech). Auch Wedgewood-Medaillons mit Motiven aus der römischen und griechischen Mythologie finden als Dekor Verwendung.

Die in England damals sehr populären Chinoisedekore fanden auf den Möbeln Anwendung. Thomas Chippendale veröffentlichte 1762 ein Vorlagenbuch „The Gentleman Cabinet-Maker`s Director“. Diese Vorlagen wurden gerne von Tischlern und Schreineren benutzt. Auch an Entwürfe von Thomas Sheraton und George Hepplewhite lehnten sich viele der Möbelentwürfe von G.F. Hoffmann und Anderen an.

Werkstücke und verwendete Hölzer:

Wie viele seiner Kollegen betrieb auch Hoffmann Werbung für seine Möbel durch die Herausgabe von Katalogen. Im damals Stil bestimmenden „Journal des Luxus und der Moden“ (seit 1785 in Weimar erschienen und für Deutschland wichtigstes Magazin mit Vorlagen für Möbelschreiner)  schaltet er ebenfalls Anzeigen.

So bietet er ein breites Sortiment von Möbel an:

Secretaire für Damen, Zylinderbureau auch mit Aufsatz, Schreibschränke, Kommoden, Aufsatzschränke. Ebenfalls bietet er viele Gebrauchsmöbel wie Waschtische z. T. mit Nachtstuhl und Bidet an.

Um 1795 fertigt Hoffmann sogenannte „Harlekin-Tische“ (Verwandlungsmöbel), die auch von Abraham Roentgen in der Neuwieder Manufaktur hergestellt wurden. Es handelt sich hierbei um eine „Art englischen Schreibtisch“.

Erklärung der Funktionsweise eines solchen Verwandlungstisches:

Die äußere Erscheinung ist zunächst die eines einfachen rechteckigen Tisches mit 3 Platten auf 4 Beinen, der auch als Konsoltisch zu verwenden ist. Stellt man nun eines der 4 Beine als Stütze aus, lässt sich die Tischplatte aufklappen. Diese erste aufgeklappte Platte verwandelt den Konsoltisch in einen Spieltisch mit Schachbrett. Schlägt man sodann die zweite Tischplatte auf, hat man einen Schreibtisch vor sich. Eine Drehung des Schlüssels der Schublade löst eine Mechanik aus, es fährt ein Eingericht aus. Dieses ist mit einem offenen Mittelfach und Schubladen ausgestattet. Die Abdeckplatte des Eingerichts ist zur Kopierplatte aufstellbar.

Die von Hoffmann hergestellten Schreibmöbel besitzen oft eine in das Möbel integrierte, herausziehbare Sitzvorrichtung.

In der Werkstatt von Hoffmann wurden auch „ausländische Hölzer“ verarbeitet. Für Furniere und Marketerien fand Königsholz, Brasiletholz (Pernambuk), Ebenholz, Amarant, Zeder, Mahagoni, graues Atlasholz (silbrig graugebeiztes Ahorn) und Eibe als Zedernersatz Verwendung.

An einheimischen Hölzern verwendete die Werkstatt Erle, Kirschbaum und Birnbaum. Eine wahre Meisterschaft entwickelte Hoffmann darin, feinste Adern aus Mooreiche und durchgebeizten Laubhölzern in seine Möbel einzulegen. Als Konstruktionshölzer dienten Kiefer, Tanne, Fichte und Eiche.

Die in der Werkstatt Hoffmann hergestellten Sitzmöbel bestanden vorwiegend aus Buche.

Für Tafelstühle kamen Mahagoni, Birnbaum, Kirschbaum, Apfel, Ahorn und Rotbuche zum Einsatz.

Ende der Werkstatt Hoffmann:

1806 verstarb Hoffmann, seine Werkstatt wurde von seiner Witwe noch bis 1813 weitergeführt und dann aufgegeben.

 

Literaturempfehlung zu Hoffmann, Friedrich Gottlob
Friedrich Gottlieb Hoffmann, Katalog zur Ausstellung von Möbeln 2015 im Grassi Museum für Angewandte Kunst in Leipzig, „Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig“ mit Beiträgen von Michael Sulzbacher, Peter Atzig. Sandstein Verlag, Dresden.

 

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