Knussmann, Johann und Friedrich

Werdegang Johann Wolfgang Knussmann (1766 Mainz - 1840 Mainz)

Er erlernt das Schreinerhandwerk und ist der Firmengründer. Mit 24 Jahren stellte er den Antrag auf Meisterwerdung, der mehrfach abgelehnt wurde, da man der Ansicht war, es gäbe bereits zu viele Schreiner in Mainz. Erst 1795, nach 5 Jahren wird er mit einem Fensterrahmen und einem Sekretär als Meisterstück zugelassen.

Er gründet eine eigene Schreinerwerkstatt. Durch die frankophile Neigung seines Vaters, Adam Knussmann besitzt Johann Wolfgang gute Französisch Kenntnisse, die ihm bei den Geschäftsbeziehungen zu Adelshäusern gute Dienste leisten. Adam Knussmann fertigte eine Schlafzimmerausstattung für Napoleon I.

Mitarbeit des Sohnes, Friedrich Knussmann (1795 - 1874)

Ab 1830 arbeitet Johann Wolfgangs Sohn, Friedrich aktiv in der väterlichen Werkstatt mit. Er führt eigene Aufträge aus und zeichnet verantwortlich für die technische Organisation der Werkstatt. Bei den frühen von ihm gefertigten Möbeln ist ein österreichischer Einfluss erkennbar.

Spieltisch aus Mahagoni der Firma Knussmann aus Mainz. Die Platte ist aufklappbar und zeigt eine runde Spielfläche aus Filz.
Sofa und Stuhl der Firma Knussmann, von ca. 1860.

Stempel und Etiketten

Nach 1830 werden die hergestellten Möbel mit einem Werkstattstempel (Brand,- bzw. Schlagstempel) oder Etiketten gekennzeichnet.

Etikett der Firma Knussmann: "KNUSSMANN`S MOEBELFABRIK. MAINZ.". Von einem Sofa aus Mahagoni um 1860.
Schlagstempel der Firma Knussmann: "W. KNUSSMANN MAINZ. 7543". Von einem Sofa aus Mahagoni um 1860.
Schlagstempel der Firma Knussmann: "W. KNUSSMANN MAINZ. 2034". Von einem Spieltisch aus Mahagoni um 1860.

Geschäftsbeziehungen

1833 nimmt Wolfgang Knussmann geschäftliche Beziehungen zu dem Schreiner Johann Christian auf, der den handwerklichen Bereich des Betriebes betreut. Auch einen Teilhaber findet man mit Heinrich Kähler, der aus einer sehr alten Schreinerfamilie stammt, die bereits 1616 in Ostheim an der Rhön nachweisbar ist. Heinrich Kähler ehelicht die Tochter von Wolfgang Knussmann, der sich alsdann aus der Werkstatt zurückzieht.

Werkstatt und Werbung

Unter Friedrich Knussmann wird der Betrieb vergrößert und umstrukturiert. Die hergestellten Möbel werden mit einem Werkstattstempel (Brand,- bzw. Schlagstempel) oder Etiketten gekennzeichnet. An Knussmann Möbeln finden sich vor allem Intarsienarbeiten aus ausländischen Hölzern. Für den Verkauf der gefertigten Möbel betreibt man Werbung mittels eines 2-seitigen Angebotskatalog für Möbel des täglichen Gebrauchs. Friedrich Knussmann und Heinrich Kähler organisieren 1831/1833 viele örtliche Ausstellungen und können damit Kunden gewinnen.

Auf den Weltausstellungen 1862 in London und 1867 in Paris feiert die Manufaktur Knussmann große Erfolge. Bei einer Ausstellung 1844 in Berlin interessiert sich der preußische König für Knussmann Möbel und tritt als Käufer auf. 1855 anlässlich einer Ausstellung in München gewinnt Knussmann den König von Bayern als Kunde.

Die Pariser Ausstellung von 1867 bringt Napoleon III. als Kunde. Heinrich Kähler scheidet 1869 aus der Werkstatt aus, sein Sohn Johann Wolfgang Kähler übernimmt die Aufgaben des Vaters.

Johann Wolfgang erhielt seine Ausbildung zum Architekten in Paris. Zeitweise beschäftigt die Werkstatt bis zu 70 Mitarbeiter. Als 1874 Wolfgang Knussmann verstirbt, wird der Betrieb an die Mainzer Schreiner Johann Heininger und Wilhelm Pohl verkauft.

Werkstücke und Kundenkreis

Die Werkstatt Knussmann fertigt anfangs einfache Tischlerarbeiten, die sehr bald verfeinert werden für den gehobenen Bedarf. Es werden Möbel nach eigenen Entwürfen und nach existierenden Journalen, nach französischer Art gefertigt.

Die einfachen Spätbiedermeier Möbel zeichnen sich als Gebrauchsmöbel durch ihre solide Verarbeitung aus. Hauptsächlich gearbeitet aus Nussbaum und Mahagoni werden sie auch in verschiedenen Preiskategorien angeboten. Eine Vorliebe für Fadeneinlagen findet sich an den Möbeln von Knussmann.

Für die Fertigung aufwendiger Möbel verarbeitete Knussmann Nussbaum, Mahagoni, Palisander, Amboina, amerikanischen Ahorn und Zitronenholz.

Einheimische Hölzer erwarb die Werkstatt des günstigeren Preises wegen direkt vor Ort, dies erforderte aber auch einen großen Holzlagerplatz. Anfang der 1840 erfolgte eine Ausweitung der Produktion, es kam zur reinen Möbelfertigung noch eine Dreherei und Schlosserei hinzu. Ebenfalls beschäftigte Knussmann Bildhauer und fertigt zusätzlich Spiegel und Parkettfußböden.

Kunden konnten Sitzmöbel auch direkt bei Knussmann polstern lassen. In den Wintermonaten fertigte man in der Werkstatt Möbel auf Vorrat.

In den Jahren 1822-28 werden Kasten- und Sitzmöbel für das Jagdschloss Platte/Wiesbaden und Schloss Biebrich gefertigt. Die Werkstatt Knussmann erhielt Aufträge für den nassauischen Hof. Es wurden Möbel, Türen, Parkettfußböden und Lambrien (Holzverkleidungen an Wänden) aus Mahagoni, ungarischer Esche, Nussbaum und Zitronenholz geordert.

Zu den Kunden von Knussmann zählen der Adel und höhere Offiziere. So fertigt man ab 1825 für den Mainzer Domherr Graf Franz von Kesselstadt sowie für den Grafen von Ingelheim, für dessen Brömerburg bei Rüdesheim. Der Fürst von Metternich ordert für sein Schloss Johannisberg im Rheingau Möbel. Der Herzog Wilhelm von Nassau-Weilburg lässt für das Schloss in Wiesbaden 1840 Möbel von Knussmann fertigen. Auch der Fürst zu Lich-Hohensolms-Lich ordert Möbel für das Schloss Lich. Den Gesamtausstattungsauftrag für das Neue Palais in Darmstadt geht an Knussmann, er arbeitet auch für die großherzoglichen Schlösser von Darmstadt. Finanziert wurden diese Möbelanfertigungen von Queen Viktoria für deren Tochter Alice, die mit dem Erbprinz Ludwig IV. von Hessen-Darmstadt verehelicht war.

 

Literaturempfehlungen zu Johann Wolfgang Knussmann

  • Zinnkann, Heidrun: "Mainzer Möbelschreiner der ersten Hälfte des 19.Jh., in Schriften des Historischen Museums Frankfurt/Main", Bd. 17, 1985, Verlag Dr. Waldemar Kramer
  • Zinnkann, Heidrun: "Meisterstücke Mainzer Möbel des 18. Jh.", Museum für Kunsthandwerk Ausstellung 1988, Frankfurt a.M., Druckerei Henrich
 

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